Infos vom Fachmann: ADFC-Vorsitzender Matthias Gehrmann (rechts) am Marktplatz beim Start zur Radtour mit der SPD. Foto: Dagmar Jährling

Ein bisschen besser ist es schon geworden, aber von einem „Radlerparadies“ ist Heppenheim noch weit entfernt. Das war aus Informationen herauszuhören, die Matthias Gehrmann, Vorsitzender des ADFC (Allgemeiner Deutsche Fahrrad Club) Bergstraße, am Montagabend während einer Radtour der Heppenheimer SPD vermittelte. Gehrmann war einer Einladung von Fraktion und Ortsverein gefolgt, begleitet wurde er von ADFC-Vorstandsmitglied Ralf Dickhaut.

Kreisel auch für Radler

Los ging es am Heppenheimer Marktplatz, aber um den ging es natürlich nicht. Die Tour führte vielmehr an einigen neuralgischen Punkten in der (Rad-)Verkehrsführung vorbei, die aus Sicht des Fachmanns verbesserungswürdig sind. Erste Station war die Kreuzung Ludwigstraße/Erbacher Tal/Bürgermeister-Metzendorf-Straße (B 3/L3120/L3398), die im nächsten Jahr mit einem Verkehrskreisel versehen werden soll. Von Interesse für Radfahrer hier ist, wie sie den Kreisel künftig passieren werden: Auf eigenen Spuren oder im Kreisel selbst, also dort, wo auch Autos und Lkw rollen. Selbst im ADFC ist man uneins, was besser ist – die einen sehen Radler auf eigenen Wegen besser geschützt, vor allem entlang von Bundesstraßen, die anderen vertreten die Ansicht, dass das Miteinander von motorisierten und nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern die gegenseitige Rücksichtnahme schult.


PROBLEM „GEISTERFAHRER“

„Geisterfahrer“ gibt es nicht nur motorisiert, sondern auch unter Radlern – nämlich die, die beispielsweise auf den getrennten und gut ausgebauten Radwegen entlang der Ludwigstraße entgegen der Fahrrichtung unterwegs sind. Was ebenso gefährlich werden kann wie Autofahrer, die aus der Gräffstraße in Richtung B 3 rollen und beim Versuch, sich einen Überblick zu verschaffen, den Radweg blockieren.


Ein zunehmendes Problem, erfuhren die SPDler bei ihrer Tour, sind in dieser Situation Verkehrsteilnehmer mit Elektro-Fahrrädern: Sie sind immer schneller unterwegs und immer öfter in Unfälle verwickelt sind. (jr)

Ein Problem im Erbacher Tal ist auch das Fehlen jedweder Radwege. Abhilfe bergauf könnten Radstreifen, bergab Schutzstreifen (die von Autos überfahren werden dürfen) bieten. Wichtig wären solche Hilfen nicht zuletzt deshalb, weil es im Bereich des Friedhofs viele Besucher gibt, die man so vielleicht überzeugen könnte, das Auto öfter stehen zu lassen und das Rad zu nutzen. Gleiches könnte man wohl auch an der Bürgermeister-Metzendorf-Straße erreichen, gäbe es einen brauchbaren Radweg in Richtung Tiergartenstraße, wo viele Verbrauchermärkte angesiedelt sind. Versuche der Stadt, hier einen Radstreifen einzurichten, sind laut Gehrmann bislang aber an Hessen Mobil gescheitert, das eine solche Lösung wegen der Nutzung der Strecke durch viele Lkw für zu gefährlich hält.

Ein immer wieder gern diskutiertes und auch am Montagabend aufgegriffenes Thema sind Radfahrer in der Fußgängerzone. Die ist klein und gut frequentiert, Konflikte sind deshalb programmiert. Trotzdem kann Matthias Gehrmann sich so wie der eine oder andere Sozialdemokrat eine Freigabe für Radler vorstellen: Abends und bis zum frühen Morgen, beispielsweise von 19 bis 9 Uhr. Ob es hierfür eine Mehrheit gäbe (und die Ortspolizeibehörde, also der Bürgermeister einem entsprechenden Vorschlag folgen würde), bleibt abzuwarten. Problemloser ließen sich wohl zusätzliche und sichere Abstellplätze für Räder in der und rund um die Fußgängerzone installieren – schlichte, einfache Bügel so wie am Ende der Marktstraße (am Filou) würden diesen Zweck bestens erfüllen, wie Gehrmann deutlich machte. Und wenn es dann noch ein, zwei Elektrotankstellen (für E-Bikes) gäbe, würden vielleicht noch einige mehr auf das Auto für den Einkauf in der Bachgass‘ verzichten.

Postknoten ist das größte Problem

Ein ganz großes Manko, wurde gegen Ende der Tour deutlich, ist und bleibt die (Rad-)Fahrt durch die Innenstadt und über den Postknoten. Eine Chance, hier besser durchzukommen, hätte man nur, wenn man den motorisierten Verkehr massiv beschneiden würde, so, wie es in Teilen der Mannheimer Innenstadt gemacht worden ist.

Bevor die Teilnehmer ihre Tour bei einem Bier im Alten Schlachthof und damit im Trockenen beendeten, ging es noch kurz in die Nordstadt. Hier ärgert Radfahrer insbesondere eine Barriere am Durchgang des Lärmschutzwalls, vermisst wird aber auch die Möglichkeit, gefahrlos von der Kalterer Straße in die Fußgängerunterführung Im Schlüssel abbiegen zu können.